archivrecherche-dresden.de https://www.archivrecherche-dresden.de/archivbegleiter-academia/ Wed, 13 May 2026 04:49:15 +0000 de-DE hourly 1 Selbst und ständig … und das ist gut so!? https://www.archivrecherche-dresden.de/archivbegleiter-academia/selbst-und-staendig/ https://www.archivrecherche-dresden.de/archivbegleiter-academia/selbst-und-staendig/#comments Tue, 03 Mar 2026 11:08:00 +0000 https://www.archivrecherche-dresden.de/archivbegleiter-academia/selbst-und-staendig/ Weiterlesen

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„Selbst und ständig.“ Diesen Spruch höre ich seit Jahren immer wieder, meist dann, wenn ich erzähle, dass es gerade schwierig ist oder dass es stressiger wird. Dann heißt es schnell: „Ja, du bist eben selbst und ständig.“

Und ja, natürlich kommt dieser Satz fast immer von Angestellten.

Bei mir löst das zwei Dinge aus.

Zum einen meldet sich mein bockiges inneres Kind: Ja, ich bin selbst und ständig. Aber das ist auch gut so. Ich will selbstständig sein.

Zum anderen nickt eine zweite Stimme: Ja, stimmt schon. Man ist oft selbst und ständig.

Mein Problem ist nicht, dass der Satz komplett falsch wäre. Mein Problem ist, dass er häufig als Abwertung kommt. Als wäre Selbstständigkeit im Kern eine schlechte Idee und „ständig“ der Beweis dafür.

Der blinde Fleck in der Aussage "selbst und ständig"

Wenn die Chefs, Firmenleiter oder Geschäftsführer nicht irgendwann selbstständig gewesen wären, bei der Gründung, Übernahme oder in schwierigen Phasen, dann hätten viele Angestellte heute keinen Job. Dann gäbe es den Arbeitsplatz nicht, auf den man sich verlassen kann. Dann gäbe es nicht dieses Gefühl: „Mein Chef wird das schon machen, irgendjemand bezahlt mich ja.“

Das ist nicht böse gemeint. Das ist ein Unterschied im System.

Angestellte arbeiten, leisten, tragen Verantwortung in ihrem Bereich. Aber sie müssen nicht dauerhaft die gesamte Existenz des Konstrukts absichern. Sie müssen nicht ständig die Frage im Hinterkopf haben, ob nächsten Monat genügend Geld reinkommt, ob Aufträge da sind, ob Risiken abfedert werden, ob Entscheidungen sitzen. Genau das ist der Punkt, der im Spruch „selbst und ständig“ oft fehlt.

Selbstständig heißt nicht „für immer ständig“

Ich plädiere dafür, das Wort Selbstständigkeit anders zu lesen. Nicht als „ständig“ im Sinn von „immer“ oder „ununterbrochen“. Sondern als „selbst stehend“.

Ja, es ist anstrengend, immer wieder Entscheidungen zu treffen.

Ja, es ist anstrengend, Verantwortung zu übernehmen.

Ja, ich darf mich darüber auch mal beschweren.

Aber für mich bleibt Selbstständigkeit trotzdem der bessere Weg als angestellt zu sein. Ich wehre mich dagegen, dass Selbstständigkeit automatisch als etwas Negatives gilt. Gerade in Deutschland hat sie oft keinen besonders hohen Stellenwert. Wir leben in einer Zeit, in der die Mehrheit angestellt ist, regelmäßig Lohn und Gehalt bekommt und sich dadurch ein Stück Planbarkeit erkauft. Das ist legitim.

Und zugleich ist wichtig: Selbstständigkeit ist nicht für jeden etwas. Manche entscheiden sich sehr bewusst dafür, weil sie genau diese Freiheit und Verantwortung wollen. Andere werden hineingeboren, weil es einen Familienbetrieb gibt, der übernommen werden soll oder muss. Wieder andere werden ein Stück weit hineingedrängt, weil es in ihrer Region oder Branche kaum stabile Alternativen gibt. Manchmal ist Selbstständigkeit schlicht die Möglichkeit, überhaupt Geld zu verdienen.

Gerade deshalb lohnt sich, wenn man die Wahl hat, ein ehrlicher Blick: Bin ich der Typ dafür? Wie viel Freiraum brauche ich wirklich? Wie viel möchte ich selbst entscheiden? Wie viel Energie kann ich aufbringen, wie viel Einsatz kann ich aushalten? Ich bin kein Berufsberater und kein Psychologe. Ich habe dafür keine Formel. Aber diese Fragen sollte man sich stellen, bevor man losläuft oder bevor man jemanden vorschnell bewertet, der diesen Weg gegangen ist.

Ein kurzer Realitätscheck: So normal ist das Angestelltenmodell nicht

Vor der Industrialisierung war ein großer Teil der Menschen in irgendeiner Form selbstständig. Man musste sich täglich um das eigene Auskommen kümmern. Essen auf den Tisch bringen, Zahlungen leisten, Vorräte sichern. Das war Alltag. Heute ist die Normalität eine andere: festes Einkommen, geregelte Arbeitszeit, eine Organisation, die vieles trägt.

Damit verschiebt sich auch die Wahrnehmung. Wer selbstständig ist, fällt aus diesem Raster. Und das macht ihn für manche schnell zum Sonderfall, der sich „freiwillig Stress“ aussucht.

Warum „selbst und ständig“ so oft stimmt

Es gibt Gründe, warum dieses Klischee sich hält. Viele davon sind real. Nur sind sie keine Naturgesetze, sondern oft Folgen bestimmter Muster.

1) Viele haben nie gelernt, ein System zu bauen.

Gerade bei Selbstständigen und Handwerkern sieht man häufig: Der Laden läuft nur, wenn der Chef da ist. Urlaub wird schwierig. Rückzug ist kaum möglich. Nicht, weil es grundsätzlich nicht anders geht, sondern weil Struktur und Aufbau fehlen oder nie wirklich Priorität hatten.

2) Der Chef-Mythos wirkt nach.

In Deutschland gibt es stark verankerte Vorstellungen: Chef muss immer da sein. Chef muss immer arbeiten. Chef muss Vorbild sein. Wer nicht sichtbar ackert, gilt schnell als faul. Das ist eine alte Idee und oft eine falsche.

Ein Chef muss nicht permanent arbeiten. Er sollte klug arbeiten. Er sollte dafür sorgen, dass der Laden läuft, dass Aufträge kommen, dass Geld reinkommt und dass die Menschen im Betrieb ihre Arbeit gut machen können. Präsenz ist nicht automatisch Leistung.

3) Viele kalkulieren zu billig.

Ein harter, aber zentraler Punkt: Viele Selbstständige arbeiten für zu geringe Preise. Dann müssen sie mehr arbeiten, um überhaupt über die Runden zu kommen. Daraus wird „ständig“. Nicht, weil Selbstständigkeit so sein muss, sondern weil das Modell wirtschaftlich nicht trägt.

Hinter zu niedrigen Preisen steckt oft ein Rechtfertigungsreflex: Man glaubt, erklären zu müssen, warum die eigene Arbeit „so teuer“ ist. Dabei ist Selbstständigkeit ein anderes Modell als Angestelltsein. Man kann Einnahmen nicht einfach mit dem Nettolohn eines Angestellten vergleichen.

Denn Selbstständige zahlen davon nicht nur ihren Lebensunterhalt. Sie tragen auch Kosten, Ausfallrisiken, Akquisezeiten, Investitionen, Steuern, Versicherungen, Zeiten ohne Auftrag. Wer das nicht sauber einpreist, bezahlt am Ende mit Lebenszeit.

Selbstständig ohne ständig

Für mich ist die Konsequenz klar: Selbstständigkeit muss nicht bedeuten, ständig zu arbeiten. Sie bedeutet vor allem, selbst zu stehen.

Das heißt: Grenzen setzen. Struktur bauen. Preise verlangen, die das Modell tragen. Nicht härter arbeiten, sondern weiser. Nicht dauernd präsent sein, sondern bewusst.

Und noch etwas: Ich würde mir wünschen, dass in Deutschland etwas mehr Anerkennung entsteht für Menschen, die etwas selbst in die Hand nehmen. Für Menschen, die Ideen ausprobieren, Verantwortung tragen und auch das Risiko eingehen zu scheitern. Nicht als Heldenverehrung, sondern als Haltung: weniger Verurteilung, mehr Achtung.

Jeder darf sein Modell wählen, angestellt oder selbstständig. Wer sich entscheiden kann, sollte sich ehrlich fragen, ob er dieser Typ ist und was er dafür bereit ist zu geben.

Wenn es „ständig“ wird, ist das kein Beweis gegen Selbstständigkeit. Es ist ein Signal: Struktur, Preis oder Zielstellung dürfen geprüft und verändert werden.


P.S.: Und ja. Das hier Geschriebene gilt auch für selbstständige Recherchedienstleister, Historiker und Berufsgenealogen.


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Warum du mit 35 Euro Stundenhonorar kein Berufsgenealoge sein kannst https://www.archivrecherche-dresden.de/archivbegleiter-academia/warum-du-mit-35-euro-stundenhonorar-kein-berufsgenealoge-sein-kannst/ https://www.archivrecherche-dresden.de/archivbegleiter-academia/warum-du-mit-35-euro-stundenhonorar-kein-berufsgenealoge-sein-kannst/#comments Thu, 15 Feb 2024 10:35:00 +0000 https://www.archivrecherche-dresden.de/archivbegleiter-academia/warum-du-mit-35-euro-stundenhonorar-kein-berufsgenealoge-sein-kannst/ Weiterlesen

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Wie du den für dich passenden Stundenlohn ermittelst, mit dem du als Recherchedienstleister und Berufsgenealoge leben kannst.

Kannst du von deiner Tätigkeit leben?

Ich weiß nicht, wie häufig ich diese Frage in den letzten Jahren schon gehört habe. Seit mehr als 5 Jahren kann ich diese Frage mit einem ruhigen „JA“ beantworten.

Aller Anfang ist schwer. Und es war ein schwerer Weg bis zu den Einkünften, die ich heute monatlich bzw. jährlich erziele.

Ich habe Erfahrung machen müssen, viele Erkenntnisse gesammelt und viel Mut gebraucht, um zu dem Stundenhonorar zu gelangen, das ich heute für meine Dienstleistung als Rechercheur und Berufsgenealoge berechne.

Du erwartest vielleicht jetzt an dieser Stelle die einfach Nennung und Erläuterung meines Stundenhonorars. Ich könnte und würde dies ohne Probleme angeben, wenn es dir etwas nützen würde. Tut es aber nicht. Ich denke, dass es nicht zielführend ist, wenn du einfach den Stundenpreis eines anderen Dienstleisters übernimmst.

Tatsächlich ist der Preis für Deine Dienstleistung von mehreren Faktoren abhängig und kann sich durchaus von dem deiner Kollegen oder Kolleginnen unterscheiden.

Finde deinen für dich passenden Preis, mit dem du leben kannst.

Die 4 Schritte zur Preisfindung

  1. Ermittle deine Ausgaben
  2. Ermittle deine verfügbare Zeit
  3. Verschaffe dir einen Überblick zu Preisen und Angeboten der Kollegen
  4. Lege einen Preis fest


Schritt 1: Wie Du deine Ausgaben ermittelst

Um herauszufinden, zu welchem Preis du deine Zeit und Arbeitsleistung verkaufen solltest, musst du zuvor herausbekommen, wieviel Geld du eigentlich regelmäßig benötigst.

Frage dich:

  • Welche regelmäßigen Ausgaben habe ich im Monat? 
  • Welche Zahlungen musst ich zusätzlich im Jahr leisten? 
  • Wieviel Geld benötige ich außerdem noch zum Leben?

Um deine laufenden Ausgaben zu ermitteln, kannst du folgende Schritte befolgen:

1. Sammle deine Finanzdaten:

Sammle alle relevanten Informationen zu deinen Ausgaben, einschließlich Kontoauszügen, Rechnungen, Quittungen und anderen Finanzunterlagen.

2. Kategorisiere deine Ausgaben:

Kategorisiere deine Ausgaben in verschiedene Kategorien wie Miete, Lebensmittel, Transportmittel (Auto und/oder ÖPNV), Versicherungen, Haustiere, Unterhaltung, Kredite usw. Dies hilft dir, einen klaren Überblick über deine Ausgaben zu erhalten.

3. Verwende ein Haushaltsbuch oder eine Finanz-App:

Nutze ein Haushaltsbuch oder eine Finanz-App, um deine Ausgaben zu verfolgen. Diese Tools ermöglichen es dir, deine Ausgaben nach Kategorien zu organisieren und automatisch laufende Ausgaben zu erfassen.

4. Analysiere deine Ausgaben: 

Analysiere deine Ausgaben regelmäßig, um Muster zu erkennen und zu verstehen, wofür du dein Geld ausgibst. Dies kann dir helfen, Bereiche zu identifizieren, in denen du möglicherweise sparen kannst. Eventuell kannst du hier finanzielle Mittel gewinnen, die du in den Start oder den Ausbau deiner Selbständigkeit investieren kannst.

5. Setze dir Budgets:

Basierend auf deiner Analyse kannst du Budgets für verschiedene Ausgabenkategorien festlegen, um sicherzustellen, dass du im Rahmen deiner finanziellen Möglichkeiten bleibst.

6. Aktualisiere regelmäßig deine Aufzeichnungen: 

Aktualisiere regelmäßig deine Aufzeichnungen über deine Ausgaben, um sicherzustellen, dass du immer über deine finanzielle Situation informiert bist.

Indem du diese Schritte befolgst, kannst du deine laufenden Ausgaben genau ermitteln und besser kontrollieren. Du hast nicht nur einen Überblick über deine finanzielle Situation, sondern weißt nun genau, wieviel Geld du regelmäßig zur Deckung deiner Ausgaben benötigst.

Wenn du deine Dienstleistung hauptberuflich ausüben möchtest, dann sollten deine Einnahmen ohne Probleme deine regelmäßigen Ausgaben abdecken können.


Schritt 2: Wie du deine verfügbare Zeit ermittelst

Um die dir verfügbare und die notwendige Zeit für dein Arbeit am Anfang deiner Selbstständigkeit zu ermitteln, kannst du folgende Schritte durchführen:

1. Analysiere deine aktuellen Verpflichtungen:

Mache eine Bestandsaufnahme deiner aktuellen Verpflichtungen, einschließlich anderer Jobs, Familie, sozialer Verpflichtungen und persönlicher Interessen. Notiere dir, wie viel Zeit du täglich und wöchentlich für jede dieser Verpflichtungen aufwendest.

2. Finde deine Prioritäten heraus:

Identifiziere die wichtigsten Aufgaben und Aktivitäten für deine Dienstleistung (oder ein Produkt). Diese könnten Entwurf und Formulierung deiner Dienstleistung sein, Werbung für deinen Service, Kundengewinnung/Marketing, Buchhaltung und andere geschäftliche Aufgaben umfassen.

3. Schätze den Zeitbedarf für jede Aufgabe ein:

Schätze ab, wie viel Zeit du für jede geschäftliche Aufgabe benötigen wirst. Dies kann anfangs schwierig sein, aber versuche eine realistische Einschätzung vorzunehmen, basierend auf deinen Fähigkeiten, Erfahrungen und den Anforderungen deines Unternehmens. Ich empfehle dir, die benötigte Zeit für regelmäßige Aufgaben zu messen und zu dokumentieren. So weißt du genau, wieviel Zeit du einplanen musst.

4. Berücksichtige Pufferzeiten:

Berücksichtige auch Pufferzeiten für unerwartete Ereignisse, Unterbrechungen und unvorhergesehene Probleme, die auftreten können. Bedenke, dass du auch mal Pausen brauchst!

5. Plane deine Zeit effektiv:

Erstelle einen Zeitplan oder einen Kalender, in dem du deine geschäftlichen Aufgaben und Aktivitäten sowie deine persönlichen Verpflichtungen festhältst. Stelle sicher, dass du genügend Zeit für jede Aufgabe reservierst und realistische Ziele setzt.

Ich persönlich nutze seit Jahren Kalender und Journal von KLARHEIT. Zusätzlich plane ich meinen Tag mit den Vorlagen von Creator Journal

6. Überwache und passe deinen Zeitplan an:

Überwache deine Zeitnutzung regelmäßig und passe deinen Zeitplan bei Bedarf an. Sei flexibel und bereit, deine Prioritäten anzupassen, wenn sich die Anforderungen ändern oder neue Chancen auftreten.

Indem du diese Schritte befolgst, kannst du die verfügbare Zeit für deine selbständige Tätigkeit realistisch einschätzen und effektiv planen, um deine geschäftlichen Ziele zu erreichen. Egal ob du in der Planung, der Anfangsphase oder bereits als Dienstleister unterwegs bist. Einen Plan zu haben ist immer gut. ;-) 

Du weisst schließlich auch, wieviel Zeit du den Aufträgen deiner Kunden widmen kannst.

Solange du deine Zeit gegen Geld tauschst – d. h. dass du allein Aufträge erledigst und die dafür benötigte Zeit in Rechnung stellst – musst du wissen, wieviel Zeit für Aufträge benötigt wird. Daraus kannst du dann schlussfolgern, wieviele Aufträge du pro Woche oder pro Monat erledigen kannst.

Wenn du die verfügbare Zeit dann mit dem zu ermittelnden Stundenlohn multiplizierst, kannst du sehen, ob der (theoretisch) bezahlte Zeitaufwand die notwendigen Ausgaben decken kann.


Schritt 3: Verschaffe dir einen Überblick über die Preise 

  • Wieviel Honorar verlangen eigentlich andere Recherchedienstleister und Berufsgenealogen für ihre Arbeit?
  • Zu welchen Preisen bieten deine Kollegen und Kolleginnen ihre Dienstleistung an?

Ehrlich gesagt hat mich das zu Beginn meiner Selbstständigkeit nicht wirklich interessiert. Für mich war zu Beginn nur wichtig, dass meine Einkünfte meine regelmäßigen Ausgaben deckten. Wobei die Beiträge für die Krankenversicherung die größte Hürde darstellten.

Zugegeben, mein Vorgehen war anfangs wenig professionell. Meine Motto war eher: Einfach tun!

Ideen ausprobieren und die Dinge wenn nötig anpassen tue ich auch heute noch. Allerdings gehe ich bei der Einführung neuer Angebote inzwischen strukturierter und gezielter vor.

Wenn du aufgrund deines Angebots oder deines Standorts mit anderen Dienstleistern konkurrierst, dann kann es hilfreich sein einen Überblick zu den marktüblichen Preisen zu haben.

Um einen Überblick über die Preise anderer Dienstleister in deiner Branche zu erhalten, könntest du folgende Schritte unternehmen:

1. Online-Recherche:

Suche im Internet nach anderen Recherchedienstleistern oder Berufsgenealogen. Besuche deren Websites und schau nach, ob sie Preise öffentlich anzeigen oder ob du Kontakt aufnehmen kannst, um nach Preisen zu fragen.

Es ist nicht immer erkennbar, zu welchem Stundenlohn die Kollegen/Kolleginnen ihre Unterstützung anbieten. Suche auch nach Festpreisangeboten zu ähnlichen Leistungen, wie du sie anbieten möchtest.

2. Austausch in Branchenverbänden und Foren:

Werde Mitglied im deutschsprachigen Berufsgenealogenverband e.V. oder einem anderen internationalen Berufsverband, abonniere Newsletter oder Mailinglisten von Interessengruppen, besuche Foren, in denen über Dienstleister diskutiert wird. Oftmals teilen Mitglieder in solchen Gruppen auch Preise und Erfahrungen miteinander.

3. Wage direkte Anfragen:

Scheue dich nicht davor, direkt bei anderen Dienstleistern und Berufsgenealogen nachzufragen. Du könntest sie beispielsweise anrufen, eine E-Mail schreiben oder persönlich ansprechen, um Informationen über ihre Angebotspreise zu erhalten. Ich persönlich habe das zu Beginn nie getan. Nicht jeder spricht gern gegenüber Kollegen über seine Preise. Häufig schwingt hier die Angst vor Konkurrenten mit. Innerhalb des Berufsverbandes ist das allerdings etwas anderes. Die Preise der Berufskollegen erfährst du am Besten in der direkten Zusammenarbeit, im Rahmen eines gemeinsamen Auftrags beispielsweise.

4. Vergleichende Analyse:

Sobald du Informationen über die Preise anderer Dienstleister gesammelt hast, führe eine vergleichende Analyse durch. Achte dabei nicht nur auf die Preisspanne, sondern auch auf die im Preis enthaltenen Leistungen und eventuelle Zusatzleistungen.

5. Feedback von Kunden:

Sprich auch mit Kunden oder Auftraggebern, die bereits die Dienstleistungen anderer Berufsgenealogen in Anspruch genommen haben. Ihr Feedback kann dir dabei helfen, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, was Kunden bereit sind zu zahlen und welche Dienstleistungen sie besonders schätzen.

Indem du diese Schritte befolgst, kannst du dir einen guten Überblick über die Preise anderer Recherchedienstleister und Berufsgenealogen verschaffen, Vorstellungen von Kunden kennenlernen und daraus Schlüsse für deine eigene Preisgestaltung ziehen.

Schritt 4: Lege einen Preis fest

Der letzte Schritt erfordert zugegeben etwas Mut. 

Du solltest nun auf der Grundlage der Ergebnisse der vorherigen Schritte einen Preis für deine Dienstleistung festlegen. Ich empfehle dir, zunächst ein konkretes Stundenhonorar aufzuschreiben und dann zu prüfen:

  • Wieviele bezahlte Stunden brauchst du, um notwendige Ausgaben zu decken?
  • Wieviele bezahlte Stunden braucht es darüber hinaus, um finanzielle Rücklagen bilden zu können?

Ein kleiner Hinweis am Rande: Wenn du von deiner Dienstleistung allein (in Deutschland) leben willst sind 35 Euro pro Stunde (netto) eindeutig zu wenig.

Nimm den Stundenpreis als Grundlage für die Kalkulation der nächsten Kundenanfrage. Nutze den Preis für Abrechnung der nächsten Aufträge und schaue, ob die Einnahmen für zur Deckung deiner Kosten ausreichend sind. 

Wenn du deine Dienstleistung zunächst nebenberuflich startest, kannst du in Ruhe beobachten, wie sich deine Einkünfte entwickeln. Wenn die Aufträge und Einkünfte ausreichend sind, solltest du irgendwann den Absprungpunkt finden, vorausgesetzte natürlich du meinst es ernst mit der professionellen Dienstleistung. ;-) 

Alles ist im stetigen Wandel

Im Laufe deiner Tätigkeit als Recherchedienstleister und Berufsgenealoge wird sich immer wieder etwas ändern. Deine Ausgaben können steigen, deine Einnahmen können schwanken. Du sammelst Erfahrung und dein Wissen wächst. Form, Umfang oder Schwerpunkt deiner Dienstleistung werden sich verändern. Du findest vielleicht deine „Lieblingskunden“. Du entdeckst die Leidenschaft für Spezialgebiete. Du entwickelst Festpreise und Produkte. Diese alles kann dazu führen, dass deine Preise prüfen und anpassen musst.

Zum Schluss möchte ich dir noch sagen:

Probiere aus! Seit mutig! Reflektiere und prüfe! Lerne mit Erfolgen und Misserfolgen umzugehen!

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Ein "Berufsgenealoge" ist eine Person, die sich professionell mit der Erforschung und Dokumentation einer Familiengeschichte befasst. Genauer gesagt beschäftigt sich ein Berufsgenealoge mit der Nachverfolgung und Analyse von Verwandtschaftsverhältnissen zwischen Familienmitgliedern über mehrere Generationen hinweg. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden „Berufsgenealogen“ auch als professionelle „Ahnenforscher“, „Familiengeschichtsforscher“ „Genealogen“ oder „Familienforscher“ bezeichnet.

Der Unterschied zu Forschern, die Ahnenforschung als Hobby betreiben ist, dass Berufsgenealogen die Tätigkeit zu einem größeren Teil ihrer Zeit gegen Bezahlung und auf der Grundlage bestimmter Richtlinien durchführen.

Der Begriff „Berufsgenealoge“ setzt sich inhaltlich aus zwei Teilen zusammen:

  1. Beruf: Dies bezieht sich auf eine überwiegend (haupt)berufliche Tätigkeit als genealogischer Forscher gegen Bezahlung unter Beachtung bestimmter Richtlinien.
  2. Genealogie: Dies bezieht sich auf die Erforschung der familiären Verbindungen, Abstammung und Ahnen einer bestimmten Person oder Familie. Die Genealogie verfolgt die familiären Linien zurück in die Vergangenheit und identifiziert die Vorfahren und Verwandten einer Person. Ebenso kann die Genealogie die Suche nach Nachfahren ausgewählter Personen umfassen und im Zusammenhang mit Ermittlungen noch lebender Verwandter stehen.

Familienforscher verwenden im Rahmen der genealogischen Recherchen historische Aufzeichnungen. Wichtige Quellen sind u. a. Kirchenbücher, Standesamtsunterlagen, Adressbücher, Gerichtsbücher und andere Quellen, um Informationen über die Vorfahren zu sammeln. Sie dokumentieren und analysieren diese Daten, um weiterführende Informationen, neue Forschungsansätze und Zusammenhänge in der Familiengeschichte zu erkennen. Die Arbeit eines Berufsgenealogen kann dazu beitragen, die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung einer Familie im Laufe der Zeit zu veranschaulichen und die Identität sowie das Erbe einer Familie besser zu verstehen.

Berufsgenealogen können von Einzelpersonen, Familien oder Unternehmen beauftragt werden, um historische Forschungen durchzuführen. Diese Forschung kann sowohl aus persönlichem Interesse als auch aus geschäftlichen Gründen erfolgen, beispielsweise bei der Erstellung von Familienchroniken, der Identifizierung von beruflichen Talenten in einer Familie oder der Erforschung der historischen Hintergründe von Unternehmen mit langjähriger Familientradition.

Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines Berufsgenealogen

Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines professionellen Genealogen können je nach den spezifischen Anforderungen des Projekts oder den individuellen Wünschen des Kunden variieren. Hier sind jedoch einige typische Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die ein professioneller Genealoge übernehmen könnte:

Familienforschung und Ahnenforschung

Die Hauptaufgabe eines Genealogen besteht darin, familiäre Verbindungen zu erforschen und Ahnenrecherche durchzuführen. Dies beinhaltet die Identifizierung von Vorfahren, Geschwistern und anderen Verwandten anhand von Namen, Lebensdaten sowie beruflicher und sozialer Stellung.

Recherche in Dokumenten und Quellen

Genealogen sammeln und analysieren historische Aufzeichnungen, um Informationen über Familienmitglieder und ihre Leben zu erhalten. Dafür ist ein umfassendes Wissen zu relevanten Archiven und historischen Quellen notwendig. Unerlässlich ist dabei die Fähigkeit, alte Schriften lesen zu können.

Analyse und Interpretation von Daten

Nachdem Daten oder Informationen gesammelt wurden, ist es die Aufgabe des Genealogen, sie zu analysieren und zu interpretieren. Dies kann das Erkennen von Mustern, Zusammenhängen und Unstimmigkeiten bei Namen und Daten umfassen.

Erstellung von Berichten, Stammbäumen und Ahnentafeln

Genealogen erstellen detaillierte Berichte und Stammbäume, um die Ergebnisse ihrer Forschung zu dokumentieren. Diese Berichte können in gedruckter Form (Stammtafel, Buch, ...) oder digital (Textdatei, PDF, E-Book ...) erstellt werden.

Aufdecken von familiären Geheimnissen und "verlorenen" Familienmitgliedern

Genealogische Recherchen können zur Aufdeckung von familiären Geheimnissen oder dem Auffinden von verlorenen Familienmitgliedern beitragen. Teilweise werden dabei innerhalb der Familie überlieferte Erzählungen und Gerüchte widerlegt.

DNA-Genealogie

Bei Berufsgenealogen, die sich auf die Erforschung der Ahnengeschichte mittels DNA-Tests spezialisiert haben, liegt ein Schwerpunkt auf der Identifizierung und Analyse anhand von Testergebnissen kombiniert mit der Recherche in alten Aufzeichnungen.

Beratung und Kundenkommunikation

Genealogen kommunizieren regelmäßig mit ihren Kunden, um den Fortschritt der Forschung zu besprechen und Ergebnisse zu teilen. Sie bieten zudem Beratung und Empfehlungen für weitere Schritte an.

Datenschutz und Ethik

Alle Genealogen sollten Datenschutzrichtlinien, Landesgesetze und ethische Standards achten, insbesondere wenn es um sensible Informationen und persönliche Daten von lebenden Personen geht.

Fortbildung und Aktualisierung des Wissens

Da sich auch die Genealogie und die Möglichkeiten historischer Forschung im digitalen Zeitalter beständig weiterentwickeln, ist es in der Verantwortung eines professionellen Genealogen, sein Wissen auf dem neuesten Stand zu halten und sich fortzubilden.

Zusammenarbeit mit Archiven und Institutionen

In der Regel arbeitet ein Berufsgenealoge regelmäßig mit Archiven, historischen Gesellschaften, Vereinen oder anderen Institutionen zusammen, um Zugang zu relevanten Quellen und Aktenbeständen zu erhalten und Fachkenntnisse sowie Erfahrung einzubringen. Aus der Zusammenarbeit entstehen häufig wichtige Netzwerke in dem sich die Partner in ihren Arbeiten gegenseitig unterstützen.

Die genauen Aufgaben und Verantwortlichkeiten können je nach den Bedürfnissen und Zielen des Kunden und Auftraggebers variieren. Ein professioneller Genealoge sollte in der Lage sein, effektiv zu recherchieren, gründlich zu dokumentieren und klare Berichte zu erstellen, um die Ergebnisse seiner Arbeit zu präsentieren.


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