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Wenn du noch nie in einem Archiv warst, hast du vielleicht ein bestimmtes Bild im Kopf: dunkle Räume, Staub, schwere Tische und vergilbte Akten. Die Realität sieht heute meist anders aus. Archive sind in der Regel moderne Einrichtungen mit Lesesaal, Magazin, klaren Regeln und festen Abläufen.
In dieser Podcastfolge spreche ich darüber, was man in Archiven eigentlich finden kann, wie unterschiedlich Archive aufgebaut sind und warum eine gute Vorbereitung für den Archivbesuch entscheidend ist. Anlass für diese Folge ist der Tag der Archive, ein bundesweiter Aktionstag, bei dem viele Archive ihre Türen öffnen und Einblicke in ihre Arbeit geben.
In dieser Episode von Archivbegleiter On Air erfährst du:
Viele verbinden Archive zuerst mit alten Akten, Kirchenbüchern oder vergilbten Dokumenten. Das ist nicht falsch, aber nur ein Teil dessen, was dort tatsächlich zu finden ist.
Je nach Archivart unterscheiden sich die Bestände deutlich. Es gibt zum Beispiel:
Jedes Archiv bewahrt andere Arten von Unterlagen auf. Deshalb hängt die Suche immer stark davon ab, was genau gesucht wird und welches Archiv dafür zuständig ist.
Eine Übersicht zu den verschiedenen Arten von Archiven bietet das Archivportal-D (Link zum Portal).
In Meißen habe ich nach Standesamtsunterlagen gesucht, also nach Geburtsregistern, Heiratsregistern und Sterberegistern. Solche Quellen sind für die Personen- und Familiengeschichtsforschung besonders wichtig.
Hilfreich war dabei, dass ich bereits vor dem Archivbesuch online in Namensverzeichnissen recherchieren konnte. So ließ sich vorab klären, welches Register überhaupt benötigt wird. Im Archiv selbst konnten dann zusätzlich auch Neben- und Sammelakten eingesehen werden, etwa Unterlagen zu einem Aufgebot oder zu einer Sterbefallanzeige.
Gerade daran zeigt sich: Im Archiv findet man oft mehr als nur den eigentlichen Haupteintrag.
Ebenfalls im Stadtarchiv Meißen ging es um Informationen zu einem Haus. Bauakten oder Häuserakten können spannende Hinweise zu Grundstücken, Gebäuden, Umbauten oder Eigentumsverhältnissen enthalten.
Solche Unterlagen sind allerdings oft nicht frei zugänglich. Gerade bei heute noch bestehenden Häusern wird in vielen Fällen ein Eigentumsnachweis verlangt. Auch das gehört zur Realität der Archivrecherche: Nicht alles kann ohne Weiteres eingesehen werden.
In meinem Fall war das Gespräch mit dem Archivpersonal sehr hilfreich. Zwar konnte ich die Akte nicht direkt selbst einsehen, aber dennoch einige historische Informationen aus ihr erhalten.
Im Dresdner Kirchenarchiv habe ich Kirchenbücher aus dem Vogtland eingesehen, um Vorfahren und Nachfahren von Kunden zu ermitteln.
Kirchenbücher gehören zu den wichtigsten Quellen der Familienforschung. Sie enthalten Taufen, Trauungen und Beerdigungen, oft aber auch zusätzliche Hinweise zum sozialen Stand, zu Besitzverhältnissen oder zur Geschichte einer Kirchgemeinde.
Ein weiteres Beispiel aus der Praxis war eine Recherche im Hauptstaatsarchiv Dresden. Dort ging es um Unterlagen zu einem Verein, unter anderem um das Gründungsdatum, Veröffentlichungen und weitere Hinweise zur Vereinsgeschichte.
Auch das zeigt: In Archiven liegen nicht nur familiengeschichtliche Quellen, sondern ebenso Unterlagen zur Orts-, Vereins- und Verwaltungsgeschichte.
Ein guter Archivbesuch beginnt nicht erst im Lesesaal, sondern schon vorher.
Wer unvorbereitet ins Archiv fährt, verliert oft Zeit oder fährt im schlimmsten Fall umsonst. Wer sich vorher informiert, arbeitet deutlich gezielter.
Zur Vorbereitung gehört unter anderem:
Gerade größere Archive bieten häufig Online-Findmittel an. Dort kann bereits mit Personen-, Orts-, Vereins- oder Firmennamen nach passenden Akten gesucht werden. Werden passende Unterlagen gefunden, sollten Signaturen notiert und Akten möglichst vorab bestellt werden.
Manchmal sind Akten sogar bereits digitalisiert. Dann kann ein Teil der Recherche schon von zu Hause aus beginnen.
Vor dem Besuch lohnt es sich, ein paar praktische Fragen zu klären:
Viele Archive erlauben heute eigene Fotos, oft aber nur unter bestimmten Bedingungen oder gegen Gebühr. Auch ein Nutzungsantrag gehört in Archiven dazu. Darin werden die persönlichen Daten und das Forschungsthema sowie der betreffende historische Zeitraum für deine Forschungen erfasst. Manchmal lässt sich dieser Antrag schon vorab herunterladen und ausfüllen.
Ein wichtiger Punkt sind die Bestellzeiten. Akten liegen meist nicht direkt im Lesesaal, sondern in Magazinen. Sie müssen daher erst geholt werden. In manchen Archiven geht das noch am selben Tag, in anderen nur mit Vorlauf.
Wer die Bestellzeiten verpasst, bekommt die gewünschte Akte oft nicht mehr am selben Tag vorgelegt. Deshalb gilt auch hier: vorher informieren spart Frust.
Sobald man im Archiv sitzt, ist es wichtig, das eigene Ziel im Blick zu behalten.
Alte Akten sind spannend. Man kann sich sehr schnell in Nebensachen verlieren. Deshalb hilft eine klare Fragestellung enorm. Statt nur „mal zu schauen“, ist es besser, ganz konkret zu suchen. Zum Beispiel:
Gerade wenn wenig Zeit zur Verfügung steht, ist diese Zielklarheit entscheidend.
Der "Tag der Archive" ist eine gute Gelegenheit, Archive einmal ganz praktisch kennenzulernen. Viele Archive bieten Führungen, Einblicke in Magazine, Informationen zur Restaurierung und die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Wer bisher Berührungsängste hatte, kann an so einem Tag gut sehen, wie Archive funktionieren und wie man sie für die eigene Forschung nutzen kann.
Wenn du dich noch besser auf deinen ersten Archivbesuch vorbereiten möchtest, findest du auf meinem Blog passende Artikel zur Vorbereitung auf die Archivrecherche.
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