Wie du Hintergrundwissen erwirbst, das dich bei deiner Ahnenforschung wirklich voranbringt

Aus den verschiedensten Quellen in der Familienforschung erhältst du nicht einfach nur Namen und Lebensdaten deiner Vorfahren. Du gewinnst noch viele Informationen darüber hinaus, die dir mehr über das Leben in der Vergangenheit verraten.

Einträge in Kirchenbüchern können dir so beispielsweise folgende Informationen bieten: 

  • Lebensorte (Geburtsort, Wohnort, Ort der Trauung, Sterbeort)
  • Beruf
  • den gesellschaftliche Stellung (Eigentümer)
  • Religionszugehörigkeit
  • Familienstatus (verheiratet, wie viele Ehen)
  • Gesundheitszustand (Krankheit)
  • Todesursache (z.B. Selbstmord)

Hast du eigentlich schon einmal genauer darüber nachgedacht, welches Wissen über frühere Zeiten dir eine einzige Quelle eigentlich bietet?

Die gewonnenen Informationen können noch wertvoller sein, als es auf den ersten Blick scheint. Doch die Aufzeichnungen aus der Vergangenheit allein geben dir nur einen Ausschnitt — eine Momentaufnahme zum Leben deiner Vorfahren.

Damit das Bild zu deinen Vorfahren noch „klarer“ wird, brauchst du Hintergrundwissen. Dies hilft dir beim Verstehen und Deuten der gefundenen Fakten aus den Quellen.

Wie Hintergrundwissen dir bei deinen Forschungen weiterhilft

Weisst du was „Blattern“ sind? 

Kannst du mit der Berufsbezeichnung „Gedingemacher“ noch etwas anfangen?

Das Wissen um alte Berufsbezeichnungen oder uns heute unbekannte Krankheiten gehört nicht unbedingt zu unserer Allgemeinbildung.

Aber das ist nicht schlimm.

Zum Glück gibt es eine Vielzahl an Nachschlagewerken. Diese können dir bei der Klärung von unbekannten Bezeichnungen oder Begriffen helfen.

Historisches Hintergrundwissen zur Erklärung und Deutung von gefundenen Informationen

Ein wichtiges Nachschlagewerk ist zum Beispiel das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Dieses gibt es seit ein paar Jahren auch als Online-Version.

Unter "woertbuchnetz.de" findest du übrigens auch andere nützliche Wörterbücher für die Arbeit mit alten deutschen Sprachformen oder mundartlichen Texten.

Aber auch jede Landesbibliothek oder gute Handbibliothek in Archiven stellt dir Lexika und Wörterbücher als Hilfe zur Verfügung. 

Ebenso kann das freie Online-Lexikon Wikipedia eine erste Anlaufstelle für weitere Informationen sein. Als Ahnenforscher bist du in diesem Zusammenhang wahrscheinlich schon auf GenWiki - das Genealogie Wiki gestoßen. Das Projekt des Vereins für Computergenealogie bietet dir darüberhinaus mehr als nur ein einfaches Lexikon.

An einem Praxisbeispiel will ich dir verdeutlichen, wofür ich Nachschlagewerke und Fachliteratur nutze.

Erklärung und Deutung von Informationen - ein Praxisbeispiel

Aus einem Kirchenbucheintrag habe ich erfahren das Johann Christian bei der Geburt seiner Tochter „verabschiedeter gemeiner Soldat“ bei der „Garnison der Feste Königstein“ war.

Allein diese Angabe zum Status des Vaters bietet mir viele Informationen

  • Wissen um den Militärdienst des Vaters
  • Ort des Militärdienstes
  • Dienstgrad beim Ausscheiden aus dem Militärdienst
  • Eingrenzung des Zeitraums für den Militärdienst

Folgende Nachschlagewerke halfen mir dann die gefundenen Informationen besser zu verstehen:

  1. Wikipedia (Begriffe: „gemein(er)“, „Garnison“, „Feste Königstein“)
  2. Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen (Begriffe: „Festung Königstein“, „Königstein“
  3. GenWiki (Begriffe: „Militär Königreich Sachsen")

Vielleicht verfügst du bereits über ausreichend historisches Wissen, sei es aus der Schule, aus vorangegangenen Forschungen oder einfach deinem Interesse an historischen Romanen.

Um so besser.

Wenn du mehr über das Leben von damals erfahren willst oder die von dir gesammelten Informationen in einen Gesamtzusammenhang einordnen möchtest, kann dir Fachliteratur den entsprechenden geschichtlichen Hintergrund liefern.

Historisches Hintergrundwissen als Orientierungshilfe in historischen Zeiträumen und Themen

Als Fachliteratur verstehe ich nicht nur wissenschaftliche Veröffentlichungen von Uni-Professoren. Auch Zeitschriftenartikel enthalten oft wertvolle und möglicherweise aktuellere Informationen, wie beispielsweise

Denn die Autoren historischer Aufsätze und Bücher haben sich meist schon durch eine Vielzahl alter Dokumente und Bücher gewühlt und die Erkenntnisse daraus zu Papier gebracht.

Auf solche veröffentlichte Forschungsergebnisse kannst du für deine eigenen Forschungen beruhigt zurückgreifen.

Es müssen auch nicht immer die aktuellsten Erscheinungen der historischen Fachwelt sein. Teilweise können Standardwerke der Fachwelt bereits mehrere Jahrzehnte alt sein.

Im Zusammenhang mit Recherchen im Bereich sächsische Militärgeschichte greife ich immer wieder auf folgende Werke zurück:

Schuster, O. und Francke F. A.: "Geschichte der sächsischen Armee - von deren Errichtung bis auf die neueste Zeit", Leipzig, 1885.

Verlohren, Franz: Stammregister und Chronik der Kur- und Königlich Sächsischen Armee von 1670 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, Leipzig, 1910.

Historisches Hintergrundwissen als Hilfsmittel bei der Suche neuer Rechercheansätze und zusätzlicher Quellen

Manchmal sind die gefundenen Informationen nicht ausreichend oder gesuchte Angaben fehlen. 

Aber du kannst aus den gefundenen Dokumenten Anhaltspunkte für die weitere Suche gewinnen.

Ebenso können Informationen ÜBER die Quellen (Akten, Dokumente, Archivbestände...) weiter helfen. Dafür ist zusätzliches Wissen zum betreffenden Jahrhundert, den jeweiligen Gegebenheiten und auch den überlieferten Archivunterlagen von Vorteil.

Doch woher bekommst du dieses Wissen?

Teilweise enthalten die historischen Aufzeichnungen selbst Zusatzinformationen. Das können bei Kirchenbüchern zum Beispiel die einführenden Worte des Pfarrers sein. Bei historischen Adressbüchern oder Ortsverzeichnissen kann das Vorwort zum erstellten Verzeichnis hilfreich sein. In Archiven ist im besten Fall die Geschichte des betreffenden Aktenbestandes im Findbuch erläutert.

Ich empfehle auf jeden Fall solche Inhalte unbedingt immer mit zu lesen.

Auch wenn es scheint, dass Sie auf den ersten Blick nicht wirklich wichtig für die aktuelle Suche sind.

Im oben von mir geschilderten Beispiel führte mich meine Suche nach dem Soldaten zu den Militärbeständen des Sächsischen Staatsarchivs.

In den Bestandsinformationen und dem Vorwort zum Bestand „11241 Musterungslisten“ auf der Website der sächsischen Staatsarchive fand ich nützliche Informationen zu Musterungen der Soldaten und den zugehörigen historischen Aufzeichnungen der sächsischen Armee. Damit konnte ich die gefundenen Informationen nicht nur besser einordnen. Das erworbene Hintergrundwissen gab mir auch weitere Ansätze und eine Struktur für zukünftige Recherchen in Akten zur Militärgeschichte.

Der kürzeste Weg zu hilfreicher Literatur und weiterführende Informationen

Wie du nun erfahren hast gibt unterschiedlich Vorgehensweisen bei der Suche nach Hintergrundinformationen. Diese sind abhängig von:

  • der eigenen Vorbildung
  • dem eigenen Geschichtswissen
  • den Ausgangsinformationen
  • und dem eigenen Wissensdurst

Dabei gibt es nicht den idealen Weg.

Wenn dir bereits viele Fakten und Zahlen zum gesuchten Thema bekannt sind, dann wirst du ganz automatisch nach Spezialinformationen in Fachzeitschriften oder die Bestandsinformationen zur gesuchten Quelle suchen.

Solltest du aber noch nichts über das betreffende Thema wissen, lese dich lieber zunächst vom Allgemeinen zum Speziellen durch.

Bei der Suche nach einem Soldaten kann das bedeuten, lese vielleicht erst etwas über das Leben eines Soldaten während des 18. Jahrhunderts.

Hier ein Buch zum Thema Militär, dass ich sehr empfehlen kann: 

Stefan Kroll: Soldaten im 18. Jahrhundert zwischen Friedensalltag und Kriegserfahrung: Lebenswelten und Kultur in der kursächsischen Armee 1728-1796 (*) (Werbung)

Suche dann gezielt nach Unterlagen zur betreffenden militärischen Einheit deines Vorfahren. Dies hat den Vorteil, dass du die gefundenen Informationen in der Quelle besser verstehst.

Gleichzeitig liest du dir so ein umfassenderes Wissen an und kannst dich zukünftig besser in das Lebens deiner Vorfahren hineindenken.

Empfohlene Schritte bei der Suche nach Literatur:

  1. Nachschlagen in Lexika, Enzyklopädien, Wörterbüchern und Handbüchern. Achte dabei auf die Quellen- und Literturangaben unter den Artikeln. Lies bestenfalls mehrere unterschiedliche Lexika-Einträge, um eventuell Falschinformationen zu erkennen.
  2. Suchen und Lesen von Fachliteratur in Bibliotheken - Zeitschriften oder aktuelle Fachbücher. In Staats- und Universitätsbibliotheken findest du teilweise auch ältere Ausgaben (siehe meine Literaturangaben) die aufgrund ihrer Entstehungszeit gleichzeitig auch Einblick in früherer Zeiten geben können.
  3. Lese die Überlieferungsgeschichte und die Hintergrundinformationen einzelner Archivbestände in den (Online-)Findmittel oder Bestandsverzeichnissen der Archive. Darin erfährst du mehr über Geschichte, Zustand und ggf. Umfang der Akten.

Es dürfte klar sein, dass jeder bei seiner Informationssuche etwas anders vorgeht. 

Zudem ist nicht jeder Forscher gleichermaßen interessiert an Hintergrundinformationen zum Thema. 

Während dem einen ein Lexikonartikel genügt, liest der andere gern noch ein Fachbuch dazu.

Allerdings kann die Aneignung von zusätzlichen historischen Wissen nicht nur deine Allgemeinbildung erweitern, sondern im besten Fall bei der Überwindung von vermeintlich toten Punkten helfen.

Und bedenke, du brauchst dich nicht schlecht fühlen, wenn du etwas (nicht) weißt, denn:

„Wissen heißt, wissen wo es geschrieben steht“ (Albert Einstein)

Ich danke dir für das aufmerksame Lesen meines Artikels! 

Ich hoffe, dass ich dir nützliche Informationen mitgeben konnte. 

Wenn ja, dann schreib doch einfach eine kurze Rückmeldung in einen Kommentar, was du dazu gelernt hast.

Viele Erfolg bei den weiteren Forschungen!

- Lass dir beim Finden helfen! -



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