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Direkt nach dem Genealogentag habe ich mich mit Annegret Gräfe zu einem Gespräch getroffen. Bei der Softwarefirma Heredis ist sie die Ansprechpartnerin für Kommunikation und Marketing in den deutschsprachigen Ländern. Wir sprachen darüber, wie die Ortsfamilienbuch-Funktion in Heredis entstanden ist, wie man damit ein Buch erstellt und wie daraus ein nützliches Ortsfamilienbuch wird. Aus dem Gespräch ist eine Podcastfolge für Archivbegleiter on Air geworden.
(Werbung: In diesem Beitrag und in der zugehörigen Podcastfolge stelle ich Funktionen der kommerziellen Genealogiesoftware Heredis vor.)
Ich weiß, die Erklärung einer Programmfunktion in einem Podcast zu hören, anstatt diese zu sehen, klingt etwas unpraktisch. Doch bedenke: Fußballspiele wurden und werden auch im Radio übertragen. Richtig?
Zum Ausprobieren: Kostenlose Demoversion, womit du die Genealogiesoftware und die Ortsfamilienbuchfunkion gratis testen kannst.
Hier kannst du die ganze Podcastfolge hören:
Ein Ortsfamilienbuch (früher auch Ortssippenbuch genannt) verzeichnet die Einwohner und Familien eines Ortes, geordnet nach Familiengruppen. Es wird meist aus Kirchenbüchern und ergänzenden Quellen zusammengestellt. Für den Bereich Sachsen gibt es leider bisher nicht viele Bücher. Aber wenn eines existiert, hat es mir bisher immer die genealogische Recherchen erleichtert und geholfen Überlieferungslücken zu überbrücken.
Wer selbst ein solches doch recht umfangreiches Buch erstellen möchte, braucht irgendwann ein geeignetes Programm dafür. Manche Forscher kommen häufig bei den eigenen privaten Forschungen auf diese Idee. Sie haben für ihre eigene Forschung die Namen und Daten eines Ortes erfasst, merken, dass sie die anderen Familien eigentlich auch noch mitnehmen könnten. Schließlich sollen die Ergebnisse mit anderen Forschern geteilt werden und daraus doch ein Buch entstehen.
Wie die Erstellungen von Büchern in Heredis aussieht, hat mir Annegret gezeigt. Sie hatte das Programm auf dem Notebook vorbereitet und ich durfte zusehen, wie aus einem Datenbestand ein Buch wird.
Hier kannst du nachlesen, was ich dabei mitgenommen habe.
Heredis ist ursprünglich ein französischsprachiges Programm zur Erfassung und Verarbeitung genealogische Daten. Es gibt dieses ursprünglich rein französische Programm bereits seit mehr als 30 Jahren.
Seit 2019 gibt es eine deutsche Version und danach kamen immer mehr Nachfragen, ob sich damit auch ein Ortsfamilienbuch erstellen lasse. Das Team hat sich nach Annegrets Schilderung zunächst angesehen, was ein Ortsfamilienbuch überhaupt ist. Denn diese Publikationsform gab es Frankreich eigentlich nicht.
Heredis hat Nutzer und Familienforscher befragt, die viel mit Ortsfamilienbüchern arbeiten und hat sich zusätzlich vorhandene Softwarelösungen angeschaut. Auch mit Michael Johne, einem der Experten für Ortsfamilienbücher, gab es Kontakt. Aus alldem entstand ein Prototyp für die Funktion Ortsfamilienbücher, der ausgiebig getestet wurde. Mit Heredis 2022 kam die Funktion dann ins Programm und seither kommen laufend Verbesserungswünsche.
Hier findest du übrigens ein schon etwas älteres Video, wo Michael Johne die Quelle Ortsfamilienbücher und die Funktionen von Heredis etwas erklärt. Leider ist Michaels Website "Ortsfamilienbücher.news" nicht mehr erreichbar.
Eine Übersicht zu verfügbaren Online-Ortsfamilienbüchern findest du übrigens auf den Seiten von Compgen
Bei Heredis ist das Ortsfamilienbuch eine zusätzliche Ausgabemöglichkeit neben Stammbäumen und Grafiken. Zur Auswahl stehen mehrere Buchtypen: Vorfahrenbuch, Nachfahrenbuch, genealogisches Personenlexikon, Großfamilie und eben das Ortsfamilienbuch.

Das Buch kommt als Word-Dokument heraus, alternativ funktioniert es mit LibreOffice. Im Gespräch ging die Erstellung eines Buches auf der Grundlage der erfassten Beispieldaten erstaunlich schnell. Und weil es ein normales Textdokument ist, kann man danach noch Formatierungen anpassen, Danksagung und Vorwort ergänzen und am Layout weiterarbeiten.
Jede Familiengruppe bekommt eine Nummer, die Gruppen sind alphabetisch geordnet. Bei jeder Familie stehen Geburtsdaten und -orte, Partner, Berufe und Kinder, und im Text sind Verweise auf andere Personen als Nummern gesetzt. In der Word-Datei kann man darauf klicken: Annegret ist im Beispiel von Nummer 1 direkt zum Vater (Nummer 6) gesprungen. Das sah sauber formatiert aus, die ersten Angaben fett, einiges kursiv, unten ein Fußnotenapparat.

In den Fußnoten stehen Notizen und Quellen, und das ist für mich der wichtigste Punkt. Ein Ortsfamilienbuch ohne Belege wäre schade, und wer so etwas publiziert, sollte seine Daten vorher verifiziert haben. Schön ist es, wenn nicht nur Kirchenbücher einfließen, sondern auch Gerichtsbücher, Bürgerbücher, Häuserbücher und andere ergänzende Quellen, und wenn man das im Buch nachvollziehen kann. Auch Zeugen und Taufpaten lassen sich ausgeben, wenn man das vorher ankreuzt.
Zum Buch gehören außerdem Register:
Beim Berufsindex lohnt ein zweiter Blick. Heredis übernimmt alles, was an einer Person gespeichert ist. Es können also Berufe auftauchen, die gar nicht am Ort des Buches ausgeübt wurden, weil die Person auch mit anderen Orten verknüpft ist. Als reine Übersicht der Berufe vor Ort ist er deshalb nicht ganz sauber.
Wer mit Kekulé-Nummern arbeitet, kann sie in den Einstellungen zusätzlich zur Identifikationsnummer ausgeben lassen. Das ist nicht unwichtig, denn die Nummernsysteme in Ortsfamilienbüchern sind sehr unterschiedlich.

Natürlich ließ sich nicht alles im Gespräch klären. Auch haben wir uns im Gespräch nicht alle der vielfältigen Funktionen von Heredis angeschaut. Einige Dinge sind mir aufgefallen, die ich direkt an Annegret weitergegeben habe.
Wer die Daten online weiterverwenden will, kann die zum Ortsfamilienbuch gehörenden Personen als GEDCOM oder als Heredis-Datei exportieren.
Neu in Version 27 ist außerdem eine benutzerdefinierte Personenliste, die sich zum Beispiel als Excel-Datei exportieren lässt, falls man die Personen separat aufgelistet haben möchte.
Die Funktion Ortsfamilienbuch wurde letztendlich nicht nur für die deutsche, sondern auch für die französische Version gebaut. Grund dafür war eine Rückmeldung aus dem Elsass. Dort gibt es tatsächlich ähnliche Formen von Ortsfamilienbüchern. Die Familienforscher vor Ort haben sich über die neue Funktion bzw. Ausgabeform bei Heredis sehr gefreut. Menschen glücklich zu machen, an die man vorher gar nicht gedacht hatte. Dies empfand ich als einen schönen Abschluss für das Gespräch.
Kann man mit Heredis ein Ortsfamilienbuch erstellen? Ja, die Funktion gibt es seit Heredis 2022. Das Buch wird als Word-Dokument ausgegeben, alternativ mit LibreOffice.
Gibt es Heredis zum Testen? Ja, es gibt eine kostenlose Demoversion, mit der sich auch die Ortsfamilienbuch-Funktion ausprobieren lässt.
Welche Exportformate gibt es? Die Personen eines Ortsfamilienbuchs lassen sich als GEDCOM oder als Heredis-Datei exportieren. Seit Version 27 gibt es außerdem benutzerdefinierte Personenlisten, die sich als Excel-Datei exportieren lassen.
Kann man ein druckfertiges PDF erzeugen? Nicht direkt. Die Ausgabe läuft über die Textverarbeitung, nachträgliches Anpassen ist ausdrücklich gewollt.
Was fehlt noch? Zum Zeitpunkt des Gesprächs gab es kein Quellenverzeichnis am Buchende.
Stand des Textes/der Aufnahme: Oktober 2026 (Heredis 27)
Die Inhalte als Folge findest du in meinem Podcast "Archivbegleiter On Air". Jetzt überall abonnieren und hören, wo es Podcasts gibt. U.a. auf
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